2013>>> Wohin will die Kulturpolitik? | Lebhafte Debatte des KulturForumCultura

“Pensavo di trovare quattro gatti”, sagte der Leiter der Abteilung für italienische Kultur bei der gut besuchten Diskussionsveranstaltung des KulturForumCultura an der Freien Universität Bozen.

Offensichtlich gibt es doch genügend Menschen, die über Kulturpolitik nachdenken wollen. Landesrätin Sabina Kasslatter Mur und Antonio Lampis (in Vertretung des kurzfristig verhinderten Landesrates Tommasini) versuchten zwei Stunden lang die Frage „2013>>>Wohin will die Kulturpolitik? Quali politiche culturali?“ zu beantworten.

Befragt wurden sie von den Moderatoren Hans Karl Peterlini, Anna Quinz (Franzmagazine) und Judith Innerhofer (FF) und vom aufmerksamen, kritischen aber auch gewichtigen Publikum. Herausgekommen sind ein umfassender Blick in die Vergangenheit, eine präzise Analyse der Gegenwart und ein paar Ausblicke. Dabei drehten sich die Fragen immer wieder um das Thema Trennung und Gemeinsamkeit, darum zum Beispiel, ob es in Zeiten des Sparens nicht sinnvoller wäre, die Kulturassessorate zusammenzulegen. Interessant die Antworten: Landesrätin Sabina Kasslatter Mur meinte, etwas scherzend, sie könne sich sehr gut vorstellen, Kulturlandesrätin für alle mit einem Abteilungsdirektor Lampis zu sein. Lampis hingegen unterstrich die Bedeutung der Vielfalt, die als Reichtum gesehen werden müsse. Die zwei Kulturwelten hierzulande hätten durchaus unterschiedliche Herzschläge, und das solle auch so bleiben. Offensichtlich haben sich in den letzten Jahrzehnten einige Paradigmen gewandelt, und dafür gibt es Gründe. Die deutsche Kulturszene ist aus der Ehrenamtlichkeit gewachsen und durch das Prinzip der Subsidiarität stark geworden, die italienische Kulturwelt stand zu Beginn der Autonomie auf schwachen Beinen, mit einzelnen herausragenden Persönlichkeiten. Daraus sind zwei unterschiedliche Formen der Kulturpolitik gewachsen, eine zentralisierte, italienische, eine breite, deutsche. Die Vielfalt jedenfalls sei die Basis für jede Qualität, so Lampis, und darauf müsse man bauen. Deshalb sei auch die Fülle des kulturellen Angebots kein Problem, solange sich überall genügend Publikum finde. Das sei in Südtirol der Fall, wie die vollen Veranstaltungssäle zeigen. Grundsätzlich gehe es darum, auch für die Zukunft Lobbyarbeit für Kultur zu machen, dafür zu sorgen, dass die Gelder weiter fließen, meinten Lampis und Kasslatter Mur übereinstimmend, denn, wenn bildlich gesprochen, ein Dicker 20 Kilo abnehme, sei das nicht weiter schlimm, bei einem Dünnen könne dies aber verheerende Folgen haben, und der Bereich Kultur zähle zu den Dünnen im Lande, wenn’s ums Geld geht.

Abgesehen von der Sicherung der Finanzmittel sieht Kasslatter Mur Zukunftsperspektiven im Verschmelzen von Organisationen, die heute „alles kleine Königreiche“ sind, auch das Haus Theater müsse überdacht werden, so Kasslatter Mur, und es gehe darum, Tradition zuzulassen und Innovation zu ermöglichen. Lampis hingegen wünscht sich, dass die Kultur aus ihren Häusern in den Alltag geht.

Auch ein Generationenwechsel stehe an. Erste vorbereitende Schritte dahin würden durch die Arbeit an der Kulturhauptstadtbewerbung gesetzt. Auch Gemeinsamkeiten konnten die Podiumsgäste ausmachen, nicht nur bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt, sondern auch in dem, was zur Aufarbeitung der neueren Geschichte (Beispiel Siegesdenkmal) getan und schon erreicht worden ist. An der Frage, ob große Events mit internationaler Ausstrahlung für die Entwicklung der Kultur entscheidend seien, schieden sich die Geister auch im Publikum. Lampis ist der Überzeugung, dass große Events eine „fregatura“ sind, dass es sinnvoller ist, bodenständiger und nachhaltiger zu arbeiten.

In der sehr lebendigen und kontroversen Debatte wurden viel angetippt, aufgeworfen, angedacht, und man war sich darüber einig, dass Manches eine Vertiefung wert wäre. Die Diskussion über kulturpolitische Fragen ist und bleibt aktuell, brisant und eine Fortsetzung wert.

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